Wenn in den Wänden eines Gebäudes Feuchtigkeit auftritt, konzentrieren sich die meisten Eigentümer auf die ästhetische Seite der Instandsetzungsarbeiten. Aus ingenieurtechnischer Sicht ist die Durchfeuchtung jedoch ein bauphysikalisches Warnsignal und ein Zeichen für eine fortschreitende Substanzschädigung. Die nachträgliche Abdichtung ist der Eingriffspunkt, an dem wir den Schädigungsprozess stoppen und den Wänden jene Schutzbarriere zurückgeben, die im Laufe der Jahrzehnte gealtert ist oder von Anfang an gefehlt hat.
Betritt man einen durchfeuchteten Raum, ist die Luft schwer, die Luftfeuchtigkeit hoch, und sofort steigt einem jener typische, muffige Geruch in die Nase, der auf die langsame Zersetzung der Struktur hindeutet. In dieser Phase stellt sich nicht mehr die Frage, ob gehandelt werden muss, sondern welche Technologie den Prozess dauerhaft stoppen kann.
Warum versagt die ursprüngliche Abdichtung?
Unsere Gebäude wurden ursprünglich mit Bitumenbahnen oder Teerpappe gegen Bodenfeuchtigkeit geschützt. Diese Materialien verlieren jedoch (so hervorragend sie zu ihrer Zeit auch waren) nach 30 bis 40 Jahren ihre Elastizität, werden spröde und reißen. Vor Ort zeigt sich dann, dass die Kontinuität der Abdichtungsebene unterbrochen ist: Das Wasser folgt dem Weg des geringsten Widerstands und findet sofort einen Weg in die Poren des Mauerwerks.
Die Aufgabe der nachträglichen Abdichtung besteht genau darin, diese Kontinuität wiederherzustellen. Wir tragen nicht nur eine Schicht auf die Wand auf, sondern schaffen eine künstliche Barriere über den gesamten Wandquerschnitt, die den Weg des aus dem Boden aufsteigenden Wassers abschneidet. (Dies ist ein entscheidender Unterschied zu den „streichbaren“ Abdichtungen, die nur die Oberfläche schützen, das Wandinnere jedoch weiter schädigen lassen.)
Das Ziel der nachträglichen Abdichtung ist die Wiederherstellung des trockenen Zustands, was unmittelbar die Wärmedämmfähigkeit des Gebäudes verbessert und langfristig zur Erhaltung der Stabilität der Struktur beiträgt.
Wann wird der Eingriff unvermeidlich?
Es gibt Anzeichen, bei denen Abwarten keine Option mehr ist. Wenn sich der Putz im Sockelbereich nicht nur verfärbt, sondern beim Anklopfen hohl klingt, oder wenn die Farbe in großen Schuppen abblättert, ist die Feuchtigkeit bereits tief in die Struktur eingedrungen. Erst wenn wir die Verkleidung entfernen, wird wirklich sichtbar, dass sich der Ziegel oder die Steinoberfläche kühl anfühlt und das Fugenmaterial zu bröckeln beginnt.
Eine nachträgliche Abdichtung ist erforderlich, wenn:
- die Durchfeuchtung in einer waagerechten Linie oberhalb des Bodenniveaus auftritt.
- die Salzausblühungen (weiße, watteartige Flecken) auch nach der Reinigung immer wieder zurückkehren.
- die Luftfeuchtigkeit in der Wohnung dauerhaft über 60 bis 70 % liegt und sich Schimmel gebildet hat.
- eine Sanierung des Gebäudes bevorsteht – in diesem Fall ist die Abdichtung die Grundlage jeder weiteren Investition.
Hinweis vom Fachmann: Eine energetische Modernisierung (z. B. eine Außendämmung) an einer feuchten Wand kann das Problem ohne den Ersatz der Abdichtung verschlimmern: Das Wasser wird in der Wand eingeschlossen und beschleunigt auf der Innenseite den Verfall.

Wie funktioniert die Technologie?
Die moderne Bauindustrie kennt zwei Hauptansätze zum Ersatz einer gealterten Abdichtung. Beide verfolgen dasselbe Ziel: das Versperren des Wasserwegs.
1. Chemische Sperrschicht (Injektion)
Dies ist das gängigste und am wenigsten invasive Verfahren. In die Wand wird in der Nähe des Bodenniveaus eine Bohrlochreihe gesetzt, in die anschließend ein spezielles Abdichtungsmaterial eingebracht wird. Dieses Material macht die Porenwände wasserabweisend, sodass das Wasser nicht weiter nach oben aufsteigen kann.
Wie funktioniert das? Die Injektionscreme oder -flüssigkeit bindet sich auf molekularer Ebene an das Mauerwerk und unterbindet die kapillare Wasserbewegung.
Vorteil: Sie belastet das Gebäude statisch nicht und lässt sich schnell ausführen.
2. Mechanische Sperrschicht (Einpressen von Stahlblechen)
In schwerwiegenderen Fällen, in denen das Mauerwerk (z. B. Ziegel) es zulässt, pressen wir Edelstahlbleche in die Ziegelfugen ein. Dies ist eine unüberwindbare physische Barriere, die das Wasser niemals durchdringt.
Wie funktioniert das? Mit pneumatischen Geräten pressen wir die Bleche mit großer Kraft über die gesamte Wandbreite hindurch und erhalten so eine neue, äußerst beständige Abdichtung mit langer Lebensdauer.
Während die Injektion flexibler ist und nahezu bei jeder Wand funktioniert, ist die Lösung mit Stahlblechen in bestimmten Fällen die zuverlässigste Variante dort, wo die technologischen Voraussetzungen gegeben sind.
Der Ablauf: Von der Diagnose bis zur trockenen Wand
Die nachträgliche Abdichtung beginnt nicht damit, dass wir die Bohrmaschine anwerfen. Der Prozess beginnt mit einer gründlichen technischen Diagnostik, bei der wir mit Feuchtigkeitsmessgeräten den Zustand der Wand erfassen. Es müssen das Material und die Stärke der Wand sowie der Grad der Salzkonzentration bestimmt werden.
Nach dem Einbringen der Abdichtung folgt die kritische Phase: die Trocknung. Das in der Wand befindliche Wasser muss entweichen. Deshalb ist es in dieser Phase untersagt, herkömmlichen Putz zu verwenden. Es wird ein spezieller diffusionsoffener (poröser) Putz benötigt, der es der Wand ermöglicht, zu „atmen“, während er die an die Oberfläche wandernden Salze in sich aufnimmt, ohne dass die Farbe abplatzt.
Wichtig zu erwähnen ist, dass ein Schlüssel zum Erfolg die Abdichtung ist, der andere die richtige Trocknung und das passende Putzsystem.
Die nachträgliche Abdichtung ist kein optionaler Luxus, sondern eine Grundvoraussetzung für die Lebensdauer des Gebäudes. Sie ist eine Investition, die sich kurz- und langfristig durch niedrigere Heizkosten, das Verschwinden von Schimmel und die Werterhaltung der Immobilie auszahlt. Wenn die Wand durchfeuchtet ist, arbeitet die Zeit nicht für den Eigentümer: Je länger wir warten, desto tiefer dringt der Verfall in die Struktur ein.
Lassen Sie nicht zu, dass die Feuchtigkeit Ihr Zuhause zurückerobert! Fordern Sie ein Gutachten an und machen wir Ihre Immobilie wieder stabil und trocken.
Häufig gestellte Fragen zur nachträglichen Abdichtung
Bietet die nachträgliche Abdichtung wirklich eine dauerhafte Lösung?
Ja, eine fachgerecht ausgeführte Injektion oder Stahlblechabdichtung bietet mit einer Lebensdauer von Jahrzehnten eine dauerhafte Lösung. Die verwendeten Materialien widerstehen den chemischen Einflüssen im Boden, sodass die waagerechte Sperre die aufsteigende Feuchtigkeit über Jahrzehnte hinweg aufhält.
Verursacht die Arbeit viel Schmutz oder Zerstörung?
Die Injektion ist eine ausgesprochen saubere Technologie und erfordert lediglich kleine Bohrlöcher in der Nähe des Bodenniveaus, die nach der Instandsetzung unsichtbar bleiben. Die Lösung mit Stahlblechen ist lauter und mit stärkeren Vibrationen verbunden, doch selbst diese ist weitaus schonender als die alte Methode des Mauersägens.
Ist die nachträgliche Abdichtung bei jedem Wandtyp anwendbar?
Sie ist bei den meisten Mauerwerkstypen anwendbar, in jedem Fall ist jedoch eine Vor-Ort-Begutachtung erforderlich. Ziegelwände lassen sich mit nahezu allen Methoden behandeln, während bei gemischten Steinwänden oder Lehm die Injektion die wirksamste Lösung ist. Wichtig ist jedoch die Vor-Ort-Begutachtung, um das für die Wandstruktur optimale Material auszuwählen.
Muss der Putz für die Abdichtung abgeschlagen werden?
Im Bereich der Abdichtung und in dem darüber liegenden feuchten Streifen ist das Entfernen des Putzes fachlich unerlässlich. Der alte Putz ist nämlich mit schädlichen Salzen gesättigt, die auch nach dem Trocknen der Wand weiterhin Feuchtigkeit anziehen würden. Daher ist das Auftragen eines neuen, salzfreien Putzes Teil der Garantie.
Kann die Abdichtung auch im Winter durchgeführt werden?
Ja, die nachträgliche Abdichtung im Innenbereich kann zu jeder Jahreszeit durchgeführt werden, sofern die Innentemperatur nicht unter den Gefrierpunkt sinkt. Der Trocknungsprozess ist im Winter in einem beheizten Raum oft sogar noch idealer, da die trockenere Innenluft das Entweichen der Feuchtigkeit aus der Wand begünstigt.




